Der Hufschuh. Ein Pferdedoktor!

Durch den Einsatz von Hufschuhen und Einlagen konnte ich schon vielen Pferden zu einem gesunden Huf verhelfen und die Umstellung auf Barfuss erleichtern. In diesem Beitrag zeige ich Euch, was ein guter Hufschuh mit Schaumstoffeinlagen bietet. Hufschuhe und Einlagen sind weit mehr als Schutz vor Abrieb und Verletzungen.

Der Trend zum Barhuf schreitet unhaltbar voran. Mit dieser Entwicklung haben die Hersteller von Hufschuhen zahlreiche neue Hufschuhe auf den Markt gebracht. Dank deren ist es heute möglich für praktisch jedes Pferd und Einsatz einen passenden Hufschuh zu finden. Sei es zum Reiten, zur Unterstützung bei der Barhufumstellung oder in der Rehabilitation.

Michigan State University

Dr. Robert Bowker

Es ist nun an der Zeit über die umfangreichen Pferdehuf Forschungen von Dr. Robert Bowker an der Michigan State Universität (College of Veterinary Medicine) zu informieren.

Dr. Robert Bowker hat in Doppler Ultraschall Studien aufgezeigt, dass sich die Blutversorgung im Huf veschlechtert, wenn der Huf peripher belastet wird.

Was ist eine periphere Belastung? Bei einem auf flachem Untergrund stehenden Huf wird die Hufwand stärker belastet als auf weichem Boden. Wenn das Pferd Hufeisen trägt, wird dieser Effekt noch verstärkt. Die Hufwand, welche über die Sohle ragt wird fälschlicherweise oft als Tragrand bezeichnet. Der Tragrand eines Pferdes setzt sich aber aus der Sohlenschwiele, der weissen Linie und dem inneren Anteil der Hufwand zusammen. Ein Pferd, das also den grössten Teil seines Gewichts mit der Hufwand aufnimmt, belastet seinen Huf „peripher“ (am Rande).

Das Ausmass der peripheren Huf-Belastung ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie dem Hufbeschlag, der Hufbearbeitung, dem Untergrund und andererseits auch vom Huf selber. Ein Huf mit grosser Sohlenwölbung hat beispielsweise eine grössere periphere Belastung als ein Huf mit wenig Sohlenwölbung.

Im Gegenteil davon zeigt sich, dass das Gewicht auf der Sohle die Durchblutung im Huf fördert. Die Natur macht es vor. Wildpferde bewegen sich auf unebenem Terrain mit Erde, Gras, Geröll, Steinen, usw. Der Untergrund bildet eine Art Polster, welcher sich beim Laufen in den Huf drückt. Durch Geröll und Steine wird die Sohle permanent stimuliert.

Vorteil Hufe mit Hufschuhen

Neben dem Abriebschutz bietet der Hufschuh auch stossdämpfende, durchblutungsfördernde Eigenschaften und einen Schutz gegen Schäden des Untergrundes am Huf.

Die von Dr. Bowker durchgeführten Ultraschallstudien zeigen auf, dass sich in Hufen, welche auf harten und glatten Oberflächen befinden, ein beschleunigter Blutfluss zeigt. Das Gewebe wird dabei aber nicht mehr gross durchströmt. Je mehr peripherer Belastung der Huf ausgesetzt ist, desto schneller zeigt sich der Blutfluss und desto weniger Blut strömt durch die kleinsten Gefässe.

Auf weichen Oberflächen, insbesondere Kiesel, Sand oder auch Schaumstoffeinlagen verlangsamt sich der Huf Blutfluss und fliesst in die mikrovenösen Gefässe im Huf. Weiche Oberflächen und gepolsterte Hufe zeigen somit die beste Durchblutung.

In seinen Studien dokumentierte Dr. Bowker auch den Effekt bei extremer peripherer Belastung wie er sich oft bei beschlagenen Hufen oder auch bei Hufen nach einigen Barhuflehren zeigt. Bei diesen Hufen stoppte der Blutfluss im Bereich der Fessel bei jedem Herzschlag. Weiter konnte er nachweisen, dass die periphere Belastung eine Rückbildung des Knochenmaterial begünstigt, während die Belastung und Stimulation der Sohle die Knochenbildung unterstützt.

Mass des Huf-Blutflusses

Folgende Tabelle zeigt den Mass des Bluflusses auf unterschiedlichen Böden und Belastungen auf:

Untergrund/Belastung Blutfluss in %
Unbelastet 40 bis 50
Nervenbetäubung 20 bis 45
Holz 55 bis 65
Beton 50 bis 65
Leichte Arbeit 85
Doppeltes Gewicht auf Kies 85  bis 95
Schaumstoffeinlagen 90
Kiesel 90

 

Doch nicht nur die Durchblutung wird durch die Belastung der Sohle erhöht. Auch die stossdämpfenden Eigenschaften der Hufe werden dramatisch erhöht und unterstützt.

Die mikrovenösen Blutgefässe in der Lederhaut dienen nicht nur der Erhaltung des Gewebes sondern haben auch den Zweck einer hydraulischen Energieverteilung. Die Blutgefässe sind umgeben von Proteoglykanen. Zusammen mit der verhornten Sohle bilden diese eine extrem elastische Struktur. Diese wird bei Gebrauch immer elastischer und funktionaler. Bei gesunden Hufen zeigt sich im äusseren Randbereich eine dickere Lederhaut von etwa 3 bis 5 mm. Diese Struktur funktionert wie ein Gelpad als Stossdämpfer während den Bewegungen.

Bei der Belastung flacht die Sohlenlederhaut ab, der Strahl senkt sich auf den Boden und die Wände dehnen sich aus. Das Blut aus der Lederhaut wird in den hinteren Teil des Hufs durch das energiedämpfende Netz von Mikrogefässen gedrückt. Die dünne Lederhaut unter dem Hufbein wird bei Belastung dicker, während diese im äusseren Randbereich des Hufbeins zusammengedrückt wird. Bei der Entlastung lässt die elastische Sohlenlederhaut die Strukturen wieder an ihren Platz zurückspringen. Wenn wir am Huf keine Wandüberstände haben, dann übt der Druck der Belastung keine trennende Kraft auf den Hufbeinträger aus, sondern drückt diesen sogar zusammen. Eine faszinierende Konstruktion der Natur.

Was bedeutet dies nun ganz konkret in der Praxis für unsere Pferde?

Im Auslauf

Es ist wichtig, dass wir in den Ausläufen der Pferde verschiedene Böden haben, welche die Sohlen unserer Pferde stimulieren und unterstützen. Kiesel in der Grösse von Erbsen sind ein wunderbares Mittel, um gesunde Barhufe zu erhalten. In Kombination mit anspruchsvolleren Böden aus Mergel, Beton, Naturböden, usw. erhöht sich die Hufgesundheit ausserordentlich.

Naturboden / Paddock für gesunde Pferde Hufe. Quelle: Lehhaldehof.de

Beim Reiten

Hufschuheinlagen

Hufschuheinlagen

Wir sollten Einlagen in den Hufschuhen benutzen, insbesondere wenn wir Ausritte in Gelände auf harten Böden unternehmen.

Diese Hufschuheinlagen sind ein wunderbares und nützliches Werkzeug um die Hufgesundheit zu erhöhen. Sie bewähren sich auch während der Umstellung auf Barfuss oder bei Rekonvaleszenz-Pferden und ganz wichtig auch bei gesunden Pferden im täglichen Einsatz im Gelände.

Bei der Hufbearbeitung

Die Hufe müssen so bearbeitet werden, dass sich die Sohle zu einer verdichteten widerstandsfähigen Struktur entwickeln kann. Unnötiges Ausdünnen oder sogar das künstliche Anbringen einer Sohlenwölbung ist zu vermeiden. Wandüberstände sind zu vermeiden und in kurzen Intervallen auf Sohlenniveau oder maximal 1 bis 2 mm darüber zu kürzen. Bei beschlagenen Hufen sind dem Pferd regelmässige Barhufpausen zu ermöglichen.

Die richtige Einlage

Praktisch alle Hufschuh-Hersteller bieten verschiedene Einlagen an. Mit ein wenig Geschick kann man selber Einlagen aus Filz oder Gummimatten herstellen. Bei Hufrehe Patienten haben sich Knetpolster bewährt, welche massgefertigt an den Huf angepasst werden können. Durch die Ideenvielfalt ist es möglich für jedes Bedürfnis die passende Einlage zu finden.

Meine Erfahrungen mit Hufschuhen

Aufgrund meiner Erfahrungen mit Pferden und der sehr vieler Menschen, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich meine Pferde nie ohne Hufschuhe und Hufschuheinlagen reite und habe festgestellt, dass sich die Hufgesundheit im Gegensatz zum vorherigen Hufeisen Beschlag massiv verbessert hat!

Für Fragen zu Hufschuhen stehe ich gerne zur Verfügung.